Heute bin ich unterwegs. Wieder einmal auf dem Weg nach Zürich – an ein Projektmanagement Symposium. Gestern habe ich mich entschieden den Weg über Biel anstatt – wie normal – über Bern zu nehmen. Da hat es im ICN die besseren „Arbeitsplätze“ und vor allem weniger von den immer so gestresst dreinschauenden, nach Zürich hetzenden Managertypen, die im Zug meistens zwei bis drei Sitze für die eigene Aura belegen. Nur um dann noch gestresster und beleidigender drein zu schauen, wenn man dann fragt, ob man (ich) wohl einen dieser freien Sitzen belegen dürfe.
Nun denn: ich bin also auf dem Weg nach Zürich und es ist einfach herrlich. 6.20 – der Zug von Buchsi (für nicht so geübte Berner: das ist die Kurzform von Münchenbuchsee) nach Biel kommt pünktlich an.
Da bin ich schon bei Hommage Teil 1: Eine Hommage an die Bahn – sprich SBB. Da werden doch jedes Jahr diese Statistiken erhoben. Wie viele Züge verkehren pünktlich – will heissen innerhalb von drei Minuten gegenüber dem Fahrplan usw. Liebe SBB: Die Pünktlichkeit die Du jeden Tag an den Tag legst ist einfach phänomenal. Klar manchmal kommt der Zug ein paar Minuten zu spät und manchmal verpasse ich deswegen einen Anschlusszug. Manchmal kommt der Zug gar nicht, weil irgendwo etwas passiert ist – that’s life. Das Leben ist ja schliesslich so interessant, weil es so voller Ungewissheit, Risiken, Freuden, Unterhaltung, Abenteure etc. ist. Und wir regen uns ja im Auto auch nicht so auf, wenn wir einmal in einem Stau stehen. Schon mehr, wenigstens ich, wenn ich hinter einer lahmen Ente (kommt das noch von diesem Auto aus den achtziger Jahren?) herfahren muss. Wenn einer pennt auf der Strasse. Aber jetzt zurück zur SBB. Danke liebe SBBler ihr macht jeden Tag einen höllisch guten Job.
Doch nun zurück zu meiner „Reise“ nach Zürich. Auch in Biel kommt zur richtigen Zeit ein Zug und nimmt mich mit. Zugegeben – auch ein paar andere. So ein Zug für mich alleine wäre ja etwas langweilig ganz zu schweigen von der Ökologie.
Gerade sehe ich aus dem Fenster hinaus die Sonne im Morgennebel aufgehen und geniesse den wunderschönen Anblick.
Teil 2 der Hommage. Liebe Erde: ich finde es einfach toll hier zu sein. Du bist so schön. Deine Wälder, Deine Seen, die weiten grossen Landschaften, die Berge, die Wüsten, die Flüsse und vieles, vieles mehr was ich gar nicht aufzählen und schon gar nicht so schön beschreiben kann, wie es ist, wenn ich draussen bin. Für die vielen Schandflecke kannst Du wirklich nichts. Da haben wir Menschen das Möglichste getan.
Und da finde ich dann schon eher eine Anti-Hommage angebracht. Wir Menschen haben vieles herausgefunden, haben vieles gelernt und viele haben sogar einiges begriffen. Und doch: haben wir auch gelernt. Wir stellen fest, dass die Erde sich erwärmt, dass dies mit einer Geschwindigkeit geschieht, die der Natur keine Chance lässt rechtzeitig zu reagieren und wir machen weiter wie der berühmte Affe der nichts sieht und nichts hört. Wir zeigen mit unserem Fingern auf andere (wie die Chinesen) die alles das was wir falsch gemacht haben, kopieren (so wie die Chinesen alles kopieren) und dies mit einer Geschwindigkeit und Multiplikation die seines Gleichen sucht. Da fehlen uns ganz einfach die Konsequenz und die Einsicht.
Und doch ist auch das nicht verwunderlich. Als Projektmanagement Profi (so würde ich mich bezeichnen) weiss man, dass die meisten Leute nicht in der Lage sind, Dinge anzugehen, die weiter als 90 Tage in der Zukunft liegen. Weshalb sonst gehen wir (besonders ich) die Dinge immer erst an, wenn es schon fast zu spät ist? Und da darf man sich dann nicht verwundern, wenn der Mensch nicht in der Lage ist eine Entwicklung wie die Klima Veränderung, welche doch ein paar Jährchen braucht, nicht wahr nimmt (schliesslich hatten wir ja einen langen und strengen Winter – nichts von Erwärmung!) und schon gar nicht darauf reagieren kann. Und wenn nur jeder einen kleinen Teil dazu beisteuern würde, könnten wir doch etwas bewegen. Auch wenn der Anteil jedes einzelnen, zum Beispiel in Bezug zu den 30 Millionen Tonnen Kohle, die China (nein ich habe nichts gegen die Chinesen persönlich) jedes Jahr von Australien einkauft und verbrennt, sich lächerlich annimmt.
Zurück zu den angenehmen Dingen auf dieser Erde. Ich sitze immer noch im Zug nach Zürich. In der Zwischenzeit haben wir Aarau erreicht. Meine beiden Nachbarn im Abteil gönnen sich ein frühmorgendliches vor der Arbeit Schläfchen – welch in Kontrast zu denen, die ich oben beschrieben haben, die schon nervös in den Zug steigen. Doch davon ein andermal.
Gerade kam auch die freundliche Dame mit Kaffeewagen vorbei und hat mir einen wohl riechenden Kaffee mit passendem Gebäck hingestellt. Und diesen Kaffee geniesse ich nun und lasse es mir bis nach Zürich gut gehen.
Ja, das ist schon alles zum Thema Hommage. Ich werde sicher noch weitere Dinge finden die sich hommagieren lassen.